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Angelschein in Deutschland: Alles was du wissen musst

5 Min. Lesezeit · Saison: Ganzjährig · 8. Juni 2026

Angelschein in Deutschland: Alles was du wissen musst

Angelschein in Deutschland: Alles was du wissen musst

Angeln ist in Deutschland mehr als nur Freizeitvergnügen – es ist ein geregeltes Handwerk mit langer Tradition. Wer legal an deutschen Gewässern angeln möchte, braucht zwei Dinge: den Fischereischein (umgangssprachlich „Angelschein") und den Fischereierlaubnisschein für das jeweilige Gewässer. Dieser Artikel erklärt dir Schritt für Schritt, wie du zum legalen Angler wirst.

Der Fischereischein: Grundlage aller Angelaktivität

Der staatliche Fischereischein ist der Nachweis, dass du die Fischerprüfung erfolgreich abgelegt hast. Ohne ihn ist Angeln in Deutschland grundsätzlich verboten – auch mit ausgeborgter Ausrüstung. Einzelne Bundesländer kennen Ausnahmen: In Brandenburg darfst du ohne Fischereischein auf Friedfische angeln, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein geben befristete Touristenfischereischeine ohne vorherige Prüfung aus. Was für dich gilt, steht im Fischereigesetz des jeweiligen Landes.

Wer braucht ihn?

  • Alle Personen ab einem bestimmten Alter (je nach Bundesland 10–14 Jahre)
  • Kinder unter dem Mindestalter dürfen unter Aufsicht eines Inhabers angeln

Wie lange gilt er? Wie lange der Fischereischein gilt, regelt jedes Bundesland selbst: Üblich sind Scheine für ein Jahr, für fünf oder für zehn Jahre – manche Länder geben ihn auch auf Lebenszeit aus, etwa Bayern. Nach Ablauf wird er gegen Gebühr verlängert.


Die Fischerprüfung: Was du lernen musst

Die Prüfung umfasst schriftliche Fragen aus verschiedenen Themenbereichen. Die genauen Inhalte variieren leicht je nach Bundesland, aber folgende Gebiete sind überall relevant:

1. Fischkunde

  • Heimische Fischarten erkennen und benennen
  • Biologie, Lebensraum und Verhalten der wichtigsten Arten
  • Schonzeiten und Mindestmaße – zum Schutz der Bestände

2. Gewässerkunde

  • Gewässertypen (Bach, Fluss, See, Teich)
  • Wasserqualität und Ökologie
  • Bedeutung von Uferstrukturen und Unterwasserpflanzen

3. Gerätekunde & Angeltechniken

  • Rutenarten, Rollen, Schnüre, Haken
  • Methoden: Posenangeln, Grundangeln, Spinnfischen, Fliegenfischen
  • Tierschutzgerechter Umgang mit dem Fang

4. Gesetzeskunde

  • Fischereigesetze des jeweiligen Bundeslandes
  • Naturschutzgesetze, Schonzeiten, Schonstrecken
  • Vorschriften für Zugelassene Köder und Fanggeräte

5. Hege und Pflege

  • Besatz und Hege von Gewässern
  • Fischkrankheiten erkennen
  • Invasive Arten und ihre Bekämpfung

Tipps zur Prüfungsvorbereitung:

  • Offizielle Lernhefte des jeweiligen Landesfischereiverbands nutzen
  • Online-Übungsprüfungen auf Plattformen wie angelschein-online.de
  • Prüfungsvorbereitungskurse beim lokalen Angelverein besuchen

Ablauf: Von der Anmeldung zum Schein

Schritt 1: Kurs anmelden

Melde dich beim zuständigen Fischereiverband oder einem anerkannten Angelverein für einen Vorbereitungskurs an. Die Kurse dauern meist 2–4 Wochenenden.

Schritt 2: Prüfung ablegen

Die schriftliche Prüfung besteht aus Multiple-Choice-Fragen (meist 60 Fragen, Bestehensgrenze ca. 70 %). Manche Bundesländer haben zusätzlich einen praktischen Teil.

Schritt 3: Prüfungszeugnis einreichen

Das bestandene Prüfungszeugnis gibst du bei der zuständigen Behörde (Landratsamt, Ordnungsamt o. Ä.) ab und beantragst den staatlichen Fischereischein.

Schritt 4: Fischereischein lösen

Du bekommst den Fischereischein und musst ihn nach Ablauf seiner Geltungsdauer gebührenpflichtig verlängern lassen – je nach Bundesland jedes Jahr oder erst nach mehreren Jahren.

Kosten: Prüfungsgebühr 30–80 €, Kurse 80–200 €, Fischereischein rund 10–30 € pro Jahr Geltungsdauer


Der Gewässererlaubnisschein: Zweites Pflichtdokument

Auch wenn du den Fischereischein hast, darfst du nicht überall angeln. Für jedes Gewässer brauchst du zusätzlich einen Erlaubnisschein des Gewässerinhabers (Verein, Verband oder Privatperson).

Bezugsquellen:

  • Lokale Angelvereine: Jahres- oder Tageskarten
  • Landesanglerverbände und Landesfischereiverbände (LFV), organisiert im Dachverband DAFV
  • Online über Plattformen wie Angel.de oder Fischbaron
  • Direkt beim Gewässerpächter (z. B. bei privaten Teichen)

Was ist drauf?

  • Gewässerbezeichnung und Flurkarte
  • Geltungsdauer und erlaubte Fischarten
  • Eventuelle Einschränkungen (nur Fliegenfischen, kein Nachtangeln usw.)

Schonzeiten und Mindestmaße: Pflicht-Wissen

Das Einhalten von Schonzeiten und Mindestmaßen ist kein Kann, sondern Pflicht. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten.

Fischart Schonzeit (Beispiel NRW) Mindestmaß
Hecht 15.02. – 30.04. 45 cm
Zander 01.04. – 31.05. 40 cm
Bachforelle 20.10. – 15.03. 25 cm
Aal nur im Rheinhauptstrom: 01.10. – 01.03. 50 cm

Die Werte oben stammen aus der Landesfischereiverordnung NRW und gelten auch nur dort. Jedes Bundesland setzt eigene Schonzeiten und Mindestmaße fest, und einzelne Gewässerordnungen dürfen strenger sein – prüfe immer die Regeln deines Bundeslandes und den aktuellen Erlaubnisschein!


Catch & Release: Erlaubt oder verboten?

In Deutschland ist Catch & Release rechtlich umstritten. Das Tierschutzgesetz verbietet grundsätzlich das Zufügen unnötiger Schmerzen. Ob Catch & Release erlaubt ist, hängt vom Bundesland und der Gewässerordnung ab.

Faustregel: Fang nur, was du verwerten kannst oder musst. Verwende widerhakenlose Haken für schonenderes Zurücksetzen, wenn es erlaubt ist.


Angeln mit Kindern

Kinder können ab dem Mindestalter (je nach Bundesland) ihren eigenen Fischereischein machen. Jüngere Kinder dürfen unter direkter Aufsicht eines Scheininhabers angeln – der Scheininhaber trägt die Verantwortung.

Viele Angelvereine bieten Jugendangeln an: ein wunderbarer Einstieg mit erfahrenen Anglern, günstigen Vereinsbeiträgen und Gewässern mit gutem Fischbestand.


Fazit: Der Weg lohnt sich

Die Fischerprüfung ist kein Hexenwerk – mit zwei bis vier Lernwochenenden ist man gut vorbereitet. Was man dabei gewinnt, geht weit über den Schein hinaus: ein tiefes Verständnis für Gewässer, Fischbiologie und die Natur. Und dann: Rute auswerfen, Stille genießen, und das Wasser beobachten.

Dieser Artikel stammt aus der Ernterei-App. Dem Tagebuch für alle, die selber machen: Garten, Ernte, Vorrat, Rezepte und über 140 Wissensartikel – kostenlos für iPhone und Android.