Die erste Honigernte: Schritt für Schritt
Die erste Honigernte: Schritt für Schritt
Die erste eigene Honigernte ist ein besonderer Moment. Wer gut vorbereitet ans Werk geht, erntet entspannt – ohne gestochen zu werden und ohne Honig zu verschwenden.
Wann ist Honig erntereif?
Der Wassergehalt entscheidet. Zu feuchter Honig kann gären und verderben; die Honigverordnung erlaubt im Allgemeinen höchstens 20 % Wasser. Reifer Honig ist verdeckelt – die Waben sind mit einer Wachsschicht verschlossen.
Faustregel: Ernten, wenn mindestens ¾ einer Wabe verdeckelt sind.
Refraktometer: Wer sichergehen will, misst den Wassergehalt. Unter 18 % ist ideal; je näher der Wert an 20 % liegt, desto größer die Gärgefahr.
Ausrüstung
- Imkeranzug und Handschuhe
- Bienenbürste oder Bienenflucht (Fluchtbrett, das die Bienen nur in eine Richtung passieren lässt)
- Entdeckelungsgabel und Entdeckelungswanne
- Honigschleuder (eigene, geliehene oder vom Verein)
- Sieb (doppelt, 0,5 mm), Abfüllhahn, Honigeimer (lebensmittelecht)
Schritt 1: Bienen von den Honigräumen nehmen
Einen Tag vor der Ernte Bienenflucht zwischen Brutraum und Honigraum einlegen. Die Bienen wandern nach unten und können nicht zurück. Am nächsten Tag ist der Honigraum fast bienenfrei.
Alternativ: Waben einzeln entnehmen und Bienen mit Bienenbürste abkehren.
Schritt 2: Waben entdeckeln
In einem sauberen, warmen Raum (20–25 °C macht den Honig flüssiger):
- Wabe senkrecht über die Entdeckelungswanne halten
- Mit Entdeckelungsgabel oder elektrischem Messer das Wachs abkratzen
- Beide Seiten entdeckeln
Das Entdeckelungswachs enthält noch viel Honig – nicht wegwerfen. Zum Auslecken an die Bienen zurückgeben oder auswaschen.
Schritt 3: Schleudern und abfüllen
Entdeckelte Waben gleichmäßig in die Schleuder hängen. Langsam starten, dann hochdrehen, Seite wechseln, nochmals schleudern.
Honig läuft über ein doppeltes Sieb in den Abfüllbehälter. 24–48 Stunden ruhig stehen lassen – Luftblasen und Schaum steigen auf. Dann abfüllen, Gläser beschriften (Erntedatum, Sorte). Wer Honig verkauft oder abgibt, muss die Kennzeichnungsvorschriften der Honigverordnung beachten.
Lagerung
Honig ist bei trockener, kühler, lichtgeschützter Lagerung nahezu unbegrenzt haltbar. Kristallisation ist normal und kein Zeichen schlechter Qualität – Rapsblütenhonig kristallisiert in wenigen Wochen, Akazienhonig bleibt monatelang flüssig.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de): Honigverordnung, Anlage 2, abgerufen am 05.10.2026
Die Quellen belegen einzelne Angaben dieses Artikels. Die genannten Stellen haben den Artikel weder geprüft noch empfohlen.