Löwenzahn – Wildgemüse, Salat und Wurzelkaffee
Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist wohl die bekannteste "Unkraut"-Pflanze überhaupt – und gleichzeitig eine der vielseitigsten Wildpflanzen Mitteleuropas. Blätter, Blüten und Wurzeln sind essbar, kostenlos und in der Volksheilkunde seit Langem in Gebrauch.
Inhaltsstoffe und was ihnen zugeschrieben wird
Löwenzahn enthält:
- Bitterstoffe (Taraxacin, Taraxacerin) – regen Leber, Galle und Verdauung an
- Inulin (besonders in der Wurzel) – Präbiotikum, fördert Darmgesundheit
- Vitamin A, C, K – für ein Blattgemüse ein beachtlicher Vitamin-A-Gehalt, auch wenn er unter dem von Karotten liegt
- Kalium, Kalzium, Eisen
- Flavonoide – entzündungshemmend, antioxidativ
Traditionell verwendet bei: Verdauungsförderung, Leberentlastung, Entwässerung, Frühjahrskur, Blutzuckerregulierung.
Beim Blutzucker ist das allerdings nichts für Selbstversuche: Wenn du Medikamente gegen Diabetes nimmst, besprich eine solche Kur vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
⚠️ Hinweise
- Löwenzahn gilt als harntreibend – daher der Volksname "Bettnässer". Nicht abends in großen Mengen trinken.
- Bei Gallensteinen oder Gallenproblemen erst den Arzt fragen – die gallenfördernde Wirkung kann Beschwerden auslösen.
- Nur an ungespritzten Standorten sammeln – Löwenzahn nimmt Schadstoffe aus dem Boden auf.
Wann & wo ernten
Blätter: März bis Oktober. Junge Blätter im Frühjahr sind am zartesten und mildesten – ältere Blätter werden bitterer. Wer es milder mag: Blätter vor der Ernte ein paar Tage abdecken (Etiolement), das reduziert die Bitterstoffe. Vor der Blüte sehen die Rosetten anderer Korbblütler ähnlich aus, darunter Jakobs-Kreuzkraut und weitere Greiskräuter, deren Pyrrolizidinalkaloide die Leber schädigen. Löwenzahnblätter geben an der Bruchstelle weißen Milchsaft ab, und der hohle Blütenschaft ist blattlos und trägt nur einen einzigen Kopf – Greiskräuter führen keinen Milchsaft und haben beblätterte, verzweigte Stängel mit vielen kleinen Köpfchen. Prüfe mehrere Merkmale zusammen, und wenn eines nicht passt, lass die Pflanze stehen.
Blüten: April bis Juni, an sonnigen Tagen wenn sie voll geöffnet sind.
Wurzeln: Herbst (Oktober/November) oder früher Frühling – dann ist der Inulingehalt am höchsten.
Wo: Wiesen, Gärten, Wegränder – aber nicht direkt an Straßen, Hundewegen oder gedüngten Flächen.
Verwendung in der Küche
Blätter:
- Junger Salat – mit Speck, Ei und Senfdressing (klassisches Frühlingsrezept)
- Smoothie – mit Apfel und Ingwer, mildert die Bitterstoffe
- Gedünstet wie Spinat – kurz in Butter schwenken
Blüten:
- Löwenzahnhonig (Gelee) – Blüten mit Zitrone und Zucker auskochen, abseihen, einkochen. Schmeckt überraschend nach echtem Honig.
- Blüten roh in Salate streuen
- In Pfannkuchenteig einbacken
Wurzeln:
- Geröstet als Kaffeeersatz – Wurzeln waschen, klein schneiden, rösten, mahlen. Koffeinfrei und würzig.
- Als Gemüse gedünstet (jung und zart)
Als Heilkraut
Frühjahrskur-Tee – frische oder getrocknete Blätter und Wurzeln, 5–7 Minuten ziehen lassen. Ihm wird nachgesagt, Leber und Galle anzuregen und sanft zu entwässern.
Frischsaft – Blätter entsaften, 1–2 EL täglich als Frühjahrskur. Intensiv bitter.
Trocknen & Haltbar machen
Blätter: Bei max. 40°C trocknen, dunkel lagern. Haltbarkeit 1 Jahr.
Blüten: Schnell trocknen bei 35°C – sie schließen sich sonst und schimmeln leicht.
Wurzeln: Waschen, in Scheiben schneiden, bei 40–50°C trocknen. Haltbarkeit 2 Jahre.