Brunnen anlegen: Wasser aus dem eigenen Garten
Ein eigener Gartenbrunnen macht dich unabhängiger vom Trinkwassernetz und spart bei intensiver Gartenbewässerung erhebliche Wasserkosten. Je nach Tiefe des Grundwasserspiegels ist das Projekt auch ohne Baggereinsatz möglich.
Welcher Brunnentyp?
Rammbrunnen (Spitzenrohr)
Ein spitz zulaufendes Filterrohr wird mit einem Rammgewicht in den Boden getrieben. Geeignet bis ca. 7–8 m Tiefe, nur in sandigen/kiesigen Böden. Einfachste und günstigste Methode (Material: 100–250 €).
Erdbohrung (Brunnenbohren)
Mit einer Erdbohrmaschine oder einem Erdbohrer-Set wird ein Loch gebohrt, in das ein Brunnenrohr eingesetzt wird. Für Tiefen bis 15–30 m, funktioniert auch in lehmigen Böden. Kosten: 300–800 € Eigenleistung oder 1.500–4.000 € durch Fachbetrieb.
Schachtbrunnen
Gemauerte oder betonierte Ringe werden aufeinander gesetzt und abgesenkt. Für sehr flaches Grundwasser (<5 m), aufwändig, aber hohe Schüttleistung. Historisch die häufigste Form.
Grundwasser finden
Vor dem Brunnenanlegen prüfen:
- Geologische Karte deiner Region (Landesamt für Geologie, oft kostenlos online)
- Nachbarn fragen – haben sie einen Brunnen? Auf welcher Tiefe?
- Wünschelrute – unwissenschaftlich, aber in manchen Regionen noch praktiziert
- Probebohrung mit einem 1-m-Erdbohrer – spürst du feuchten Sand/Kies, ist Grundwasser in Reichweite
Genehmigung – unbedingt erforderlich
In fast allen Bundesländern genehmigungspflichtig! Das Wasserrecht liegt bei den Bundesländern:
- Antrag beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt oder der unteren Wasserbehörde
- Meist kostenlos oder geringe Gebühren (20–80 €)
- Nutzung für Gartenbewässerung in der Regel problemlos genehmigt
- Wichtig: Trinkwassernutzung ist verboten ohne Wasseranalyse und Aufbereitung
Rammbrunnen anlegen – Schritt für Schritt
- Material besorgen – Brunnenpunktsatz mit Rammlanze, 1-m-Rohrstücke (DN 32 oder DN 50), Rammblock, Wasserpumpe
- Startpunkt bohren – mit einem 60-mm-Erdbohrer ca. 1 m tief vorbohren
- Filterrohr einsetzen – erstes Rohrstück mit dem Brunnenspitzfilter einsetzen
- Rammen – Rammgewicht (ca. 5–10 kg) auf das Rohr aufsetzen und durch Anheben/Fallen lassen das Rohr in den Boden treiben
- Rohr verlängern – Stück für Stück mit Muffen verbinden und weiterrammen bis zum Grundwasser
- Prüfen – Rohr mit Wasser füllen: sinkt es schnell ab = Grundwasseranschluss hergestellt
- Pumpe anschließen – Handpumpe oder elektrische Gartenpumpe (ab 60 W) aufsetzen
Pumpe auswählen
| Pumpentyp | Förderhöhe | Geeignet für |
|---|---|---|
| Gartenpumpe (Saugpumpe) | bis 8 m Tiefe | Rammbrunnen, flaches GW |
| Tiefbrunnenpumpe | bis 30 m | Bohrbrunnen |
| Handpumpe | bis 7 m | Backup, kein Strom nötig |
Wasserqualität
- Nicht als Trinkwasser nutzen ohne chemische und bakteriologische Analyse (ca. 50–80 € beim Labor)
- Für Gartenbewässerung in der Regel unbedenklich
- pH-Wert prüfen – zu saures Wasser (pH < 6) greift Rohre an und schadet manchen Pflanzen
- Jährliche Sichtprüfung auf Verfärbungen oder ungewöhnlichen Geruch
Wartung
- Brunnen im Winter abdecken oder Pumpe abmontieren (Frostschutz)
- Alle 5 Jahre: Brunnenrohr auf Ablagerungen prüfen und ggf. mit Brunnenreiniger spülen
- Risse oder Leckagen im Schacht sofort abdichten