Flusskrebse fangen & kochen: der unterschätzte Wasserbewohner
Flusskrebse – Delikatesse aus heimischen Gewässern
Flusskrebse sind eine der köstlichsten Zutaten der regionalen Küche – leider weitgehend vergessen. Dabei lassen sie sich mit einfachen Mitteln fangen und zu feinen Gerichten verarbeiten.
Arten & Situation in Deutschland
Edelkrebs (Astacus astacus): Heimische Art, nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, in NRW zum Beispiel ganzjährig geschont – nicht fangen!
Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus): Nordamerikanische Einwanderer, in vielen Gewässern invasiv. Das Fangen wird von Behörden oft ausdrücklich gewünscht zur Bestandsregulierung! Träger der Krebspest, die den Edelkrebs vernichtet.
Signalkrebs oder Edelkrebs? Woran du sie unterscheidest
Bevor ein Krebs im Eimer landet, muss klar sein, welche Art du vor dir hast – der Edelkrebs ist besonders geschützt.
- Signalkrebs: weißlich-türkiser Fleck am Scherengelenk (daher der Name), Scherenunterseiten rotbraun und glatt
- Edelkrebs: Scherenunterseiten rot, hinter den Augen sitzen körnige Höcker
Immer beide Merkmale zusammen prüfen und in Ruhe vergleichen – ein Merkmal allein reicht nicht. Wer sich nicht sicher ist, setzt den Krebs zurück. Ein verwechselter Edelkrebs fehlt einem ohnehin bedrohten Bestand.
Wichtig: Vor dem Fangen immer bei Fischereibehörde oder Gewässerpächter anfragen. In vielen Bundesländern ist für den Krebsfang eine eigene Erlaubnis nötig; ohne Genehmigung ist das Fangen verboten.
Fangtechniken
Krebsreuse (Krebsenkorb):
- Käfigartige Falle mit trichterförmigem Eingang
- Köder innen: Fischköpfe, rohe Leber, Brotrinde
- Abends aussetzen, morgens kontrollieren
- Seil mit Boje markieren
Krebsstock:
- Langer Stock mit Köder am Ende
- Ins Wasser halten, Krebse tasten sich heran
- Mit Taschenlampe nachts kontrollieren, mit Kescher abschöpfen
Von Hand/Taschenlampe:
- Nachts an flachen Ufern mit Taschenlampe suchen
- Krebse von hinten greifen (Scheren können zwicken!)
Fangzeit
Beste Fangzeit: Juli bis September, abends und nachts (Krebse sind dämmerungs- und nachtaktiv).
Vorbereitung & Kochen
Lebende Krebse vor dem Kochen:
- Nur lebende, gesunde Tiere verwenden
- Kurz in klarem Wasser spülen
Klassisch kochen (Krebse in Dillsud):
- Großen Topf mit Wasser, viel Dill, Salz, Lorbeer, Pfefferkörner aufkochen
- Lebende Krebse kopfüber ins sprudelnd kochende Wasser geben – so schreibt es die Tierschutz-Schlachtverordnung vor: stark kochendes Wasser, das die Tiere vollständig bedeckt und nach der Zugabe weiter stark kocht (§ 12 Abs. 11 TierSchlV). Deshalb nur wenige Tiere auf einmal hineingeben
- 3–5 Min. kochen bis sie leuchtend rot sind
- Im Sud abkühlen lassen – nehmen dabei mehr Geschmack auf
Servieren:
- Mit Dill, Zitrone, Butter und gutem Brot
- Krebsschwanz und Scheren enthalten das meiste Fleisch
- Krebsschalen für Bisque oder Fond auskochen – kein Abfall!
Quellen
- Bundesartenschutzverordnung: Anlage 1, abgerufen am 05.10.2026
- Land Nordrhein-Westfalen: Landesfischereiverordnung (LFischVO), Stand Fassung gültig ab 09.12.2025, abgerufen am 05.10.2026
- Tierschutz-Schlachtverordnung: § 12, abgerufen am 05.10.2026
Die Quellen belegen einzelne Angaben dieses Artikels. Die genannten Stellen haben den Artikel weder geprüft noch empfohlen.