Die App für Kräutersammler, die nicht jedes Jahr von vorn anfangen wollen

Ernterei ist ein Tagebuch für alles, was du draußen findest – bei Kräutern heißt das: eine Karte mit deinen Stellen, ein Eintrag mit Foto und Datum, eine Vorratskammer für alles Getrocknete und Eingelegte. Gebaut habe ich die App nicht in einem Büro, sondern zwischen Trockenrost und Vorratsregal im Leinebergland.

Wildkräuter fangen am Wegrand an, nicht im tiefen Wald

Bei Pilzen fährt man raus. Bei Kräutern reicht die Haustür: der Giersch im eigenen Beet, die Brennnessel hinterm Schuppen, der Holunder am Feldweg. Man fängt deshalb nebenbei an.

Das ist die Falle. Einmal Brennnesseln in der Pfanne, ein Glas Pesto, ein paar Blüten in eine Flasche Essig – schnell gemacht, schnell vergessen. Ein Jahr später bleibt nur das vage Gefühl, dass da mal was war, ohne Datum und ohne Stelle.

Geblieben sind mir am Ende die paar Pflanzen, bei denen ich mir wirklich sicher war: drei oder vier in den ersten Jahren, seither ungefähr eine pro Saison. Diese Liste wächst nur, wenn man mitschreibt, was man wo geholt hat und was daraus geworden ist. Bei mir landet das meiste in der Küche; Kräuteröl und Kräuteressig sind das Einfachste zum Anfangen.

Was die App dabei übernimmt

Sie merkt sich, was du dir draußen nicht merken kannst: Ort, Datum, Menge, Bild. Mehr nicht, aber das zuverlässig – und schnell genug, dass es mit schmutzigen Fingern klappt.

Zu Hause geht es weiter: trocknen, abfüllen, beschriften, wegräumen. Bei mir ist mehr im Kompost gelandet, als mir lieb ist – nicht, weil es schlecht war, sondern weil ich nicht mehr wusste, was es war. Dazu kommen über 140 Wissensartikel in der App, gut zwei Dutzend davon zu Kräutern & Wildpflanzen.

Beim Bestimmen hört die App auf

Ernterei dokumentiert, sie bestimmt nicht. Die App sagt dir nicht, was du in der Hand hältst, und erst recht nicht, ob du es essen kannst.

Bärlauch wird jedes Frühjahr mit Maiglöckchen und Herbstzeitlosen verwechselt, und diese Verwechslung ist nicht ärgerlich, sondern tödlich. Sie passiert auch Leuten, die ihre Stelle zu kennen glauben: Ein gespeicherter Punkt sagt dir, wo du warst, nicht, was dieses Jahr dort wächst. Mehr dazu im Artikel Bärlauch – Frühlingsbotin mit tödlicher Verwechslungsgefahr.

Kein Foto und keine Faustregel, die man irgendwo aufgeschnappt hat, ist ein Beweis. Wenn du dir bei einer Pflanze nicht sicher bist, lass sie liegen; lieber ein Jahr warten als ein falsches Blatt. Manches lässt man ohnehin besser stehen, Wasserdost und Rainfarn zum Beispiel. Und geh einmal mit einer Person los, die sich auskennt: Ein Nachmittag neben jemandem, der seit dreißig Jahren sammelt, hat mir mehr gebracht als alles Gelesene. Sicherheit kommt von Menschen, nicht von Software.

Über Wirkung auf den Körper findest du hier nichts, und das ist Absicht: Mich interessiert an Kräutern die Küche, der Vorrat und das Brauchtum, nicht die Anwendung am Menschen. Ich bin Hobbysammler, kein Botaniker und kein Heilpraktiker.

Warum ich das gebaut habe

Ich sammle selbst, an den Feldrändern und in den Wäldern rund um die Plesse, zwischen Göttingen und Bovenden. Nebenher imkere und gärtnere ich – aber ein Beet läuft dir nicht weg. Der Giersch ist jung, vier Wochen später nicht mehr; wer das verpasst, wartet ein Jahr. Deshalb trage ich mir schon im Vorjahr den Anstoß für den April ein.

Weil so ein Gang selten geplant ist, muss ein Eintrag in drei Tippern fertig sein.

Die Community lässt sich komplett abschalten: Wo bei mir der Bärlauch wächst, muss außer mir niemand wissen.

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